Wie meine Essays entstehen
Über Freizeit, KI und Bilder – Eine ehrliche Antwort auf eine Frage die mir noch niemand gestellt hat
Die Essays auf dieser Website entstehen aus realen Begegnungen. Mit Klienten, mit Gedanken, mit Fragen die mich nicht loslassen. Ich schreibe, überarbeite, verwerfe und fange neu an.
Dabei nutze ich KI — als Sparringspartner, für Bilder.
Ich habe lange überlegt ob ich das erklären muss. Dann habe ich gemerkt: ich möchte es nicht erklären. Ich möchte darüber hier nachdenken.
Zu Fuß oder mit der Eisenbahn
Als die Eisenbahn erfunden wurde, gab es Menschen die sagten: Das ist nicht natürlich. Das ist zu schnell. Man verliert den Kontakt zum Boden, zur Landschaft, zu sich selbst.
Sie hatten nicht Unrecht. Mit KI ist das ähnlich.
Und trotzdem — wer damals einen Beitrag leisten wollte der über sein Dorf hinausging, musste irgendwann entscheiden: gehe ich zu Fuß, oder steige ich ein?
Ich bin eingestiegen.
Nicht weil der Beipackzettel mich nicht beschäftigt. KI verändert wie Wissen entsteht, wie Texte wahrgenommen werden, wie Authentizität bewertet wird. Das sind echte Fragen. Ich habe keine abschließenden Antworten darauf.
Und ich beobachte: andere tun es auch. Verlage, Zeitungen, Therapeuten, Institute, Coaches — sie nutzen die Werkzeuge der Zeit. Manche transparent, manche nicht. Manche bewusst, manche nicht.
Wer heute Menschen erreichen will — mit dem was er denkt, erlebt, gelernt hat — und gleichzeitig nicht erschöpft ankommen will, kann sich dafür oder dagegen entscheiden die Möglichkeiten der Zeit nutzen.
Zu Fuß zu gehen ist eine Haltung. Aber sie ist keine Tugend wenn das Ziel weit ist und die Kraft begrenzt oder anderswo sinnvoller eingesetzt.
Die ehrliche Rechnung
Könnten diese Bilder von einem Fotografen kommen? Ja. Würde es sie dann geben? Nein.
Ich könnte es mir nicht leisten — finanziell, aber vor allem zeitlich. Neben Familie, einer gut besuchten Praxis, Gruppen, Ausbildungsgruppen, Zen-Praxis, dem Schreiben selbst — und dem was ich brauche, um für die Menschen, die zu mir kommen wirklich da zu sein — bleibt nicht viel.
Würde ich ohne KI so sichtbar werden? Vielleicht. Aber zu welchem Preis? Und würde ich das Ziel erreichen?
Ich kenne Menschen in meinem Berufsfeld die alles selbst machen. Die jeden Blogbeitrag alleine schreiben, jedes Bild selbst fotografieren oder bezahlen, jeden Social-Media-Post manuell verfassen. Ich bewundere das. Und ich sehe was es kostet.
Erschöpfung. Weniger Zeit für Klienten. Weniger Zeit für die eigene Praxis — die Meditation, die Supervision, das Innehalten das diese Arbeit erst möglich macht.
Selbstfürsorge als Voraussetzung
In meinen Essays schreibe ich immer wieder darüber: dass ein Therapeut der sich selbst nicht begegnet, seinem Klienten nicht wirklich begegnen kann. Dass Selbstfürsorge keine Erholung vom Auftrag ist — sondern Teil des Auftrags.
Das gilt auch hier.
Wenn ich mich erschöpfe um sichtbar zu sein, habe ich für die Menschen die zu mir kommen — in der Praxis, in der Ausbildung, in der Zen-Gruppe am Sonntag — weniger. Weniger Präsenz. Weniger Stille. Weniger von dem was echte Begegnung braucht.
KI macht es möglich, dass ich sichtbarer werden kann, ohne mich zu erschöpfen. Dass diese Texte entstehen, ohne dass ich dafür auf das verzichte was mich als Therapeuten und Begleiter ausmacht.
Das ist kein Kompromiss. Das ist eine Entscheidung.
Was KI tut — und was nicht
Die Inhalte dieser Essays kommen von mir. Die Geschichten, die Begegnungen, die Fragen, die Zweifel, die Haltung — das ist meins. Niemand kann das für mich erfinden.
KI hilft mir, Gedanken zu schärfen und in Form zu bringen. KI setzt Bildideen um, die ich entwickle. Das Ergebnis trägt meine Stimme — weil ich darauf bestehe, weil ich korrigiere, weil ich verwerfe, was sich nicht richtig anfühlt.
Ich lese jeden Text laut vor. Wenn er sich nicht wie meine Stimme anfühlt, schreibe ich weiter.
Was KI nicht kann: die dreißig Jahre Erfahrung. Die Begegnungen. Das Sitzen in der Stille. Das Ringen mit den Fragen. Das Herz aus Fleisch und Blut das Buber einmal beschrieben hat — das weh tut, das zweifelt, das hofft.
Das bleibt meins.
Warum ich das sage
Nicht weil ich muss. Sondern weil Transparenz für mich eine Haltung ist — nicht eine Pflicht.
Ich schreibe über Gewahrsein, über echten Kontakt, über die Frage was wirklich da ist wenn zwei Menschen sich begegnen. Es wäre seltsam — es wäre unehrlich — darüber zu schweigen wie diese Texte entstehen.
Wer weiß, wie etwas entsteht, kann besser beurteilen was es wert ist.
Und vielleicht ist das auch eine Einladung: In einer Welt die immer mehr mit KI produziert und immer weniger mit sich selbst in Kontakt ist — was bedeutet es, beides zu tun? Werkzeuge zu nutzen ohne sich von ihnen ersetzen zu lassen?
Das sind Fragen die mich beschäftigen.
Alexander Kopp ist Gestalttherapeut, Zen-Mönch und Ausbilder für Gestalttherapeut*innen in Köln.
